Corona-Auswirkungen: Schädigen Winterkraftstoffe den Motor?

Bei Temperaturen oberhalb von 25°C kann es mit Winterkraftstoffen zu Startschwierigkeiten kommen. Foto: stock.adobe.com/rcfotostock

Da in der Corona-Krise deutlich weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind, bleiben viele Tankstellen in Deutschland und Europa auf ihrem Winterkraftstoff sitzen.

Gesetzlich vorgeschrieben, müssten die Mineralölhersteller an den Tankstellen ab dem 1. Mai Sommerkraftstoffe anbieten. Doch die Corona-Krise und der dadurch deutlich verringerte Kraftstoffumschlag machen ungewöhnliche Maßnahmen notwendig. „Den Tankstellen wurde vom Bundesumweltministerium eine verlängerte Übergangsfrist von einem Monat und damit bis Ende Mai für den Übergang von Benzin in Winterqualität zu Benzin in Sommerqualität gewährt“, erklärt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands gegenüber dem ARCD.

Die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterkraftstoffen liegen in der chemischen Zusammensetzung. Damit die Motoren im Winter leichter anspringen, mischt man dem Kraftstoff zwischen November und Februar Additive bei. Bei Benzin handelt es sich dabei um leichtsiedende Bestandteile, die den Kaltstart erleichtern. Im Sommer sollen weniger leichtsiedende Anteile der Dampfblasenbildung bei Hitze vorbeugen. In den Monaten März und April bieten die Tankstellen in der Regel Übergangskraftstoffe an, die sich durch eine große Dampfdruckbreite auszeichnen und für gemischte Temperaturverhältnisse ausgelegt sind.

Warmstartprobleme bei Hitze möglich

Auch wenn die Ausnahmegenehmigung den Verkauf an der Tankstelle weiterhin zulässt, stellt sich die Frage, ob sich Verbraucher im Frühjahr auf technische Schwierigkeiten mit den Winterkraftstoffen einrichten müssen? „Es könnten Warmstartprobleme auftreten, das heißt: Bei Temperaturen oberhalb von 25°C und heißem Motor könnte das Fahrzeug nicht anspringen“, warnt von Gersdorff. Der Mineralölwirtschaftsverband rät: "Bei sehr kurzen Stopps den Motor laufen lassen, bei längeren Pausen dem Motor rund eine Stunde Zeit zum Abkühlen geben.“ Schäden seien indes keine zu erwarten, Ottomotoren seien sowohl für Benzin in Winterqualität, als auch in Sommerqualität ausgelegt, erklärt von Gersdorff.

Ähnlich verhält es sich beim Winterdiesel, wobei hier nicht nur Additive, sondern auch Kerosin zugemischt werden. Kerosin soll ein Ausflocken des Paraffins bei Kälte unterhalb von null Grad verhindern, dem zusetzen des Kraftstofffilters vorbeugen sowie den Kraftstoffzufluss zum Motor garantieren. „Das ist grundsätzlich kein Problem, da der in Europa verkaufte Diesel immer der Kraftstoffnorm DIN EN 590 entsprechen muss – eine sehr eng gesteckte Norm, die auch bei der Kerosinzumischung im Winter erfüllt sein muss“, sagt Professor Bargende vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart im Gespräch mit dem ARCD.

Flugausfälle führen zu Überangebot an Kerosin

Doch die Corona-Krise sorgt in Europa nicht nur für leere Straßen, sondern auch für einen deutlich eingeschränkten Flugbetrieb. Die Folge: ein Überangebot an Kerosin. Wohin damit? Überlegungen machen die Runde, dem Diesel noch mehr Kerosin beizugeben. Doch das birgt Gefahren, wie Professor Bargende weiß: „Kerosin ist weniger scharf normiert, die Qualität ist deutlich breiter gestreut als bei Kraftstoffen für Pkw. Die Qualität spielt in der Luftfahrt auch keine so große Rolle, da Flugzeugturbinen mit kontinuierlicher Verbrennung betrieben werden." Anders als bei Pkw-Motoren, die schon bei geringen Schwankungen der Kraftstoffqualität ein verändertes Laufverhalten zeigen – beispielsweise anfangen zu nageln. Nochmals Professor Bargende: "Bei Pkw oder Nkw kann eine vermehrte Zumischung an Kerosin im Diesel durchaus zu Schäden am Einspritzsystem führen!"

Auch wenn die Mineralölindustrie mit dieser Methode die großen Kerosinvorräte reduzieren könnte, glaubt der Wissenschaftler nicht, dass diese Gedankenspiele in der Praxis umgesetzt werden könnten. „Die Industrie müsste für die Schäden haften, wenn die DIN EN 590 durch die Zumischung nicht mehr eingehalten würde – das wäre viel zu gefährlich“, ist sich Bargende sicher. Um Motorschäden in Reihe zu verhindern, sollte sich die Mineralölindustrie für das überschüssige Kerosin also besser eine andere Lösung einfallen lassen.

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